Warum wir beschlossen haben, Schatten neu zu denken
Die Geschichte von Sense Of Shade beginnt nicht mit einer Geschäftsidee. Sie beginnt mit einer Frage.
Warum fühlen wir uns an manchen Orten sofort wohl?
Warum bleiben Menschen gerne unter Bäumen sitzen, selbst wenn daneben moderne Sitzmöglichkeiten, Sonnenschirme oder überdachte Bereiche zur Verfügung stehen?
Diese Frage beschäftigte unseren Mitgründer Kevin Müller während seines Designstudiums an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. In einer Zeit, die von Leistungsdruck und einem vollen Alltag geprägt war, suchte er immer wieder bewusst die Natur auf. Dort fand er etwas, das vielen Menschen vertraut ist, aber selten hinterfragt wird: das Gefühl von Ruhe und Entspannung. Je genauer er hinsah, desto stärker rückte ein Element in den Mittelpunkt seiner Beobachtungen – der Schatten.
Nicht der Baum selbst. Nicht die Blätter.
Nicht die Äste.
Sondern das lebendige Zusammenspiel von Licht und Schatten, das unter einer Baumkrone entsteht. Ein Schatten, der sich bewegt. Der niemals statisch ist. Der einen Ort verändert und ihm Atmosphäre verleiht.
Dabei wurde ihm bewusst, dass Schatten meist nur als Nebenprodukt betrachtet wird. Er ist einfach da. Kaum jemand gestaltet ihn bewusst.
Doch was wäre, wenn man genau dort ansetzt?
Aus dieser Frage entstand die Idee zu Sense Of Shade.
Im Rahmen seiner Bachelorarbeit entwickelte Kevin ein Schattensystem, das nicht den Baum selbst nachahmt, sondern das Gefühl, das wir mit ihm verbinden. Statt möglichst viel Sonne abzuhalten, stand eine andere Frage im Mittelpunkt:
Wie lässt sich die Qualität eines natürlichen Schattenplatzes gestalten?
Das Ergebnis war ein speziell entwickeltes Segelsystem mit organischen Öffnungen, die ein bewegtes Spiel aus Licht und Schatten erzeugen. Durch Wind und Bewegung verändert sich das Muster ständig und schafft eine Atmosphäre, die viele Menschen intuitiv als angenehm, natürlich und beruhigend wahrnehmen.
Von Anfang an ging es dabei nicht nur um Funktion.
Natürlich spendet ein Sonnensegel Schatten. Doch uns interessierte vor allem, welchen Charakter ein Ort durch diesen Schatten erhält.
Denn zwischen einem Platz, der lediglich vor Sonne schützt, und einem Ort, an dem Menschen gerne verweilen, liegt oft mehr als reine Funktionalität.
Als aus einer Idee ein Unternehmen wurde…
Zur gleichen Zeit verfolgte Titus Bötel einen anderen Weg.
Nach seinem Bachelor Studium machte er seinen Master of Business Administration mit den Schwerpunkten Entrepreneurship und International Business an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Während Kevin an Produkt, Gestaltung und Prototypen arbeitete, beschäftigte sich Titus mit Unternehmensentwicklung, Geschäftsmodellen und der Frage, wie innovative Ideen erfolgreich in den Markt gebracht werden können.
Kennengelernt haben wir uns nicht auf einer Gründungsveranstaltung oder in einem Accelerator, sondern als Nachbarn.
Schnell wurde deutlich, dass uns dieselbe Überzeugung verbindet: Gute Gestaltung kann mehr leisten als reine Funktion. Sie kann beeinflussen, wie Menschen Orte erleben und wie sie sich dort fühlen.
Aus vielen Gesprächen entstand schließlich die gemeinsame Entscheidung, Sense Of Shade nicht als Studienprojekt enden zu lassen, sondern daraus ein Unternehmen aufzubauen.
Heute verantwortet Kevin die gestalterische und technische Entwicklung des Produkts. Titus kümmert sich um Strategie, Finanzierung, Vertrieb und den Aufbau von Partnerschaften.
Gemeinsam arbeiten wir daran, aus einer Idee eine langfristige Lösung für hochwertige Außenräume zu entwickeln.
Was uns antreibt
Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr Menschen in Städten leben und gleichzeitig das Bedürfnis nach Natur, Ruhe und Aufenthaltsqualität wächst.
Dennoch werden viele Außenräume noch immer vor allem funktional gedacht. Es entstehen Plätze, die ihren Zweck erfüllen, aber selten eine besondere Atmosphäre schaffen.
Wir glauben, dass genau darin eine große Chance liegt.
Nicht jeder Ort kann von großen Bäumen umgeben sein. Nicht überall lassen sich über Jahrzehnte gewachsene Naturräume schaffen. Dennoch können wir von der Natur lernen, wie sich Räume anfühlen sollten. Deshalb verstehen wir Sense Of Shade nicht als klassischen Sonnenschutz. Wir sehen unsere Arbeit als Beitrag zur Gestaltung von Orten, an denen Menschen gerne bleiben. Orte, die Schutz bieten, ohne sich abzuschotten. Orte, die Ruhe vermitteln, ohne aufdringlich zu sein. Orte, die Funktion und Atmosphäre miteinander verbinden.
Der nächste Schritt
Was als Bachelorprojekt begann, entwickelt sich heute Schritt für Schritt weiter.
Mit der Unterstützung des Gründungsstipendiums Schleswig-Holstein arbeiten wir daran, Sense Of Shade zu einem marktreifen Produkt weiterzuentwickeln, erste Projekte umzusetzen und neue Anwendungsbereiche zu erschließen.
Dabei ist unsere ursprüngliche Motivation unverändert geblieben. Wir möchten Schatten nicht als Nebenprodukt betrachten.
Wir möchten ihn bewusst gestalten.
Denn manchmal sind es gerade die Dinge, die kaum jemand wahrnimmt, die darüber entscheiden, wie sich ein Ort anfühlt.

